Kunde & Kontext. Lantal Textiles AG zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Textilien für die Luftfahrtindustrie. Als DOA-zertifizierter Betrieb (Design Organisation Approval) trägt das Unternehmen aus Langenthal nicht nur die Verantwortung für die Produktion flugtauglicher Materialien, sondern auch für deren Entwicklung und Design. Daraus folgt eine lückenlose, von der EASA vorgeschriebene Zertifikatsdokumentation. Mit dem Wachstum als DOA-Betrieb wuchs auch der Anspruch: Lantal wollte seine Zertifikatsprozesse auf eine zukunftsfähige, vollständig digitale Grundlage stellen, effizient, transparent und sicher.
"Jedes einzelne Teil, das das Werk verlässt, muss mit einem Form-1-Zertifikat begleitet werden. Fehlt eines, steht der Flieger am Boden."
Ausgangspunkt. Lantal verwaltete seine Zertifikate in einer etablierten FileMaker-Datenbank. Der Prozess funktionierte. Doch mit der Erweiterung zur Design Organisation und dem Ausbau des Lieferantennetzwerks war klar: Es brauchte eine Plattform, die Multiuser-Betrieb, Lieferantenzugriff und digitale Signierprozesse nativ unterstützt. Besonders der Form-1-Prozess bot grosses Optimierungspotenzial: Das EASA Form 1, das amtliche Lufttüchtigkeitszeugnis, sollte künftig vollständig digital erstellt, geprüft und signiert werden können. Direkt im System, ohne Medienbrüche, mit lückenloser Nachvollziehbarkeit.
Die Lösung: Certificate Portal System (CPS). IT-Venture entwickelte gemeinsam mit Lantal das Certificate Portal System: ein vollständig webbasiertes Portal, das den gesamten Zertifikatsworkflow von der CofC-Erfassung bis zur digital signierten Form 1 abbildet und automatisiert. Lieferanten erhalten einen eigenen, rollengeschützten Zugang und können ihre CofC direkt im Portal erfassen oder per Excel-Upload einlesen. Das System validiert die enthaltenen Teile automatisch gegen die CAP-Liste (Capability List), gespeist aus den SADD-Listen von Airbus und anderen Designorganisationen. Was früher manuelle Abgleiche erforderte, geschieht nun in Sekunden.
Sobald eine CofC freigegeben ist, generiert das System automatisch die zugehörigen Form-1-Zertifikate, korrekt aufgeteilt auf maximal 10 Positionen pro Dokument und mit dem richtigen Genehmigungsstatus (approved / non-approved) vorbelegt. Der zuständige Certifying Staff prüft, vervollständigt die QG5-Checkliste und setzt mit seiner persönlichen SuisseID die qualifizierte digitale Signatur. Vollständig digital, direkt aus dem Portal heraus, sicher und revisionssicher archiviert.
"Was früher mehrere Schritte über verschiedene Kanäle erforderte, ist heute ein geführter, vollständig digitaler Prozess: sicher, nachvollziehbar und skalierbar."
Architektur. Das CPS basiert auf einem Microsoft-.NET-Stack (MVC 4, C#, MS SQL Server) und verwaltet Zertifikate wie signierte Dokumente im System selbst. Die digitale Signatur erfolgt über eine PKCS#11/Cryptoki-Schnittstelle, konform mit EASA-Anforderung 21.A.163(c)_AMC.
Ergebnis. Der gesamte Zertifikatsworkflow ist heute transparent, nachvollziehbar und skalierbar: 100 % digitales Form-1-Signieren, keine manuellen E-Mail-Transfers, neue Lieferanten lassen sich einfach onboarden. Auditoren finden lückenlose, digital archivierte Dokumentationen, ein entscheidender Vorteil bei BAZL-Inspektionen.
Unsere Rolle. Konzeption, Implementierung und Weiterentwicklung des Certificate Portal Systems, inklusive Lieferantenportal und Signaturintegration.